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Ausleitungsverfahren

Der Begriff Ausleitung entstammt der Säftelehre des ausgehenden Mittelalters. Danach entstanden Krankheiten durch schlechte Körpersäfte. Die ausleitende Behandlung sollte den Organismus gründlich reinigen.

Auch wenn die heutige Sicht anders ist, so sind die traditionellen Ausleitungstherapien unverändert gebräuchlich und wirkungsvoll. Ziel ist es, den Organismus zu entlasten, die Stoffwechselfunktionen anzuregen und die Ausscheidungsorgane zu aktivieren.

Ausleitung über 
Darm und Nieren

Ausleitung des Blutstromes

Ausleitung über 
die Haut

Sonstiges

Drainagetherapien bzw.

Entgiftungstherapie

Aderlass

warme Packungen, Sauna

Neuraltherapie

 

Blutegel

Schröpfen

Eigenharntherapie

 

blutiges Schröpfen

Baunscheidt-Verfahren

 

 

 

Quaddelung von Dermatomen

 

 

 

Cantharidenpflaster

 

Ausleitung über Darm und Nieren - Drainage- bzw. Entgiftungstherapie

Warum Ausleitung bzw. Entgiftung ?  Die Ausleitung regt den Stoffwechsel zusätzlich an und hilft bei der Ausscheidung der Stoffwechselprodukte. Außerdem ist eine Entgiftung die Basis jeder Therapie, damit diese später wirken kann. Wir können kein Haus bauen, ohne dass wir vorher ein solides Fundament schaffen.

Stoffwechselprodukte, die der Organismus nicht ausscheiden oder abbauen kann, werden im Bindegewebe abgelagert. Dadurch verschlackt das Gewebe. Es kommt zur Übersäuerung und teilweise mäßiger bis massiver Autointoxikation. Ziel der Drainagetherapie ist es, die Ausscheidungs- und Stoffwechselorgane Haut, Niere, Darm und Leber anzuregen um den Gesamtorganismus zu entlasten. Für die Drainagetherapie stehen moderne, praxisbewährte Naturheilmedikamente zur Verfügung.

Ausleitung des Blutstromes

1. Aderlass

Beim Aderlass wird eine kleine Menge Blut (etwa 100 bis max. 250 ml) aus der Armvene entzogen. Das dabei entzogene Blut wird mittels der körpereigenen Regenerationskraft wieder ersetzt und trägt so zu Verjüngung, Reinigung und Verdünnung des Blutes bei. Aderlässe an den Fußvenen sind heute weniger bekannt und gebräuchlich, wurden früher aber bei Stauungsbeschwerden im Unterleib angewandt. Mikroaderlässe gibt es in der Ohrkupunktur: ein genadelter Punkt blutet nach Entfernen der Nadel und entlastet den Patienten. Der Aderlass hat eine allgemeine entlastende Wirkung auf dem gesamten  Organismus.

 

Blutegel - der kleiner Aderlass

Diese alte Behandlungsweise kommt scheinbar aus dem Anwendungsgebiet der Ayurvedischen (indischen) Medizin.

Im 18. und 19. Jahrhundert wuchs der gute Ruf der Blutegeltherapie dermaßen, dass sich diese Form der Anwendung allmählich bei vielen chronischen Erkrankungen in der damaligen Medizin etablierte.

 

Derzeit erleben wir eine Renaissance mit der Blutegel-Behandlung.

 

Der medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis) gibt mit seinen Biss einem Speichelsekret, Hirudin, ab. Dieses Speichelsekret hat blutgerinnungshemmende und antithrombotische Eigenschaften. Damit ist eine leichte kontinuierliche Blutung eingeleitet, die Lymphstauungen beseitigt, Zirkulationsprobleme der Körperflüssigkeiten verbessert und der Abtransport von Schlacken erleichtert.

Da Hirudin Plazentagängig ist und in die Muttermilch übertreten kann, ist eine Verwendung von Blutegeln in der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert. Weitere Kontraindikationen sind Blutern, akute Magen und Zwölffingerdarmgeschwüren, schwacher Konstitution und Blutarmut und bei extrem niedrigen Blutdruck, regelmäßiger Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten und Frauen während oder kurz vor der Menstruation.

Der angelegte Blutegel gibt Hirudin in den Wirtsorganismus ab und es kommt so zu einer Blutentnahmemenge von etwa 50 - 70 ml pro Egel (einschließlich Nachblutung). Je kräftiger die Nachblutung, desto stärker ist die heilende Wirkung.

Die Blutegel-Behandlung ist nahezu Nebenwirkungsfrei, vorausgesetzt, Sie halten sich an den Anweisungen des medizinischen Personals.

Ausleitung über die Haut

Bei der Ausleitung über die Haut geht es vorwiegend um die

  • Anregung der Schweißdrüsen und Öffnung der Poren (warme Packungen, Trockenbürsten, Sauna, Salzhemd)

  • Aktivierung der Durchblutung im Unterhautgewebe (Schröpfen)

  • Stimulation innerer Organe über die zugeordneten Hautreflexzonen (Dermatome) durch Baunscheidt-Verfahren oder Quaddelung (Neuraltherapie oder Eigenharninjektionen).

1. Das Schröpfen

Durch Verbindungen des Körperinneren zur Hautoberfläche ist das Schröpfen ideal geeignet um Krankheitsstoffe der inneren Organe nach außen zu leiten.

Schon Hippokrates empfahl das Schröpfen sowohl bei akuten als auch bei chronischen Krankheiten, wie z.B. Kopfschmerzen, Schwindel, Erkrankungen des Ohrs, Angina oder Lungenentzündungen, wie auch bei Erkrankungen des Bewegungsapparates.

Die Behandlung erfolgt über Zonen meist am Rücken, die durch Bindegewebszonen, Gelosen, Head’sche Zonen und andere Triggerpunkte bestimmt werden. Rückenmarksbahnen verbinden wiederum die Organe und den Sympathikus mit dem Gehirn. So wird durch das Schröpfen ein Reiz von außen nach innen weitergeleitet.

Eine sehr bewährte Form der Ausleitung über die Haut ist das trockene und blutige Schröpfen. Man erzeugt mit einem kleinen Glasgefäß einen Unterdruck und setzt es auf die Haut. Der Unterdruck überträgt sich auf das Hautgewebe und erzeugt einen künstlichen Bluterguß (Hämatom), der vom Immunsystem abgebaut wird (trockenes Schröpfen). Wird die Haut zusätzlich eingeritzt, so tritt Blut aus den kleinen Verletzungen in das Schröpfglas aus und befreit den Organismus von Stoffwechselschlacken im Unterhaut- und Muskelgewebe. (blutiges Schröpfen).

2. Das Baunscheidt-Verfahren „Die Akupunktur des Westens"

Schon Hippokrates ging davon aus, dass alle äußeren Absonderungen ein Heilmittel gegen innere Erkrankungen seien.

Der Entdecker des Baunscheidtverfahrens, der Feinmechaniker und Naturwissenschaftler Carl Baunscheidt, litt an Arthrose. Er wurde im Bereich des Daumensattelgelenkes von mehreren Mücken gestochen. Durch eine verstärkte Durchblutung und gleichzeitigen Juckreiz wurden seine Beschwerden auf Dauer beseitigt. Diese Erfahrung brachte ihn dazu, den Lebenswecker zu konstruieren und in Kombination mit einer Ölmischung zu verwenden.

Die Haut wird mit einem Lebenswecker eingeritzt und mit einer leicht reizenden Flüssigkeit in die Stichelporen eingerieben. Dadurch wird eine künstliche Entzündung hervorzurufen, die entgiftend und ausleitend wirkt. Dabei werden die zugeordneten Organbereiche angeregt und gekräftigt. Der Lebenswecker – ein Stichelroller, verdankt seinen dem belebenden Effekt.

Die Stichelporen können sich mit Eiter füllen. Diese Pickel sind erwünscht und verschwinden nach ein bis zwei Wochen vollständig. Manchmal bleiben kleine dunkle Flecken zurück, die aber immer verschwinden.

Mit der Pickelbildung geht meistens eine deutliche Besserung der Beschwerden einher. Zusätzlich verspürt man eine angenehme Wärme, die für etwa drei Tage erhalten bleibt.

Seinerzeit fand diese Methode eine große, auch internationale, Verbreitung, wird aber heute aus Bequemlichkeitsgründen oder Unkenntnis nur noch wenig eingesetzt.

Dieses Verfahren wird vor allem eingesetzt bei Muskelverspannungen und Muskelkrämpfen, aber auch bei anderen Indikationen wie z. B. Rücken- und Gelenkschmerzen u.a.  Das Verfahren nach Baunscheidt ist ein Reflexverfahren, das flächenhaft wirkt und zu einer Immunstimulation führt. Es hat eine lymph- und durchblutungsanregende Wirkung und reguliert den lokalen pH-Wert was eine Aktivierung der inneren Organe zur Folge hat und somit zur körperlichen Kräftigung führt.

3. Cantharidenpflaster

Bei diesem Heilverfahren werden Pflaster verwendet, die mit einer bestimmten Salbe bestrichen sind. Hauptwirkstoff der Salbe ist eine entzündungserzeugende Substanz, die Cantharidin genannt und aus dem getrockneten "Spanischen Käfer" (auch "Spanische Fliege" genannt) Lytta vesicatoria Fabricius gewonnen wird. Das Pflaster verbleibt im Normalfall etwa 8 bis 12 Stunden auf der entsprechenden Hautstelle. Bei dieser Behandlung erzeugt man eine große Blase, ähnlich einer Brandblase. 

Über den Blaseninhalt scheidet der Organismus viele belastende, schmerz- und entzündungsfördernde Substanzen aus. Dieser Reiz kann chronische, reaktionsschwach gewordene Krankheitsprozesse wieder in eine reaktionsbereite Phase zurückführen. Ein Teil des Blaseninhalts kann wieder reinjiziert werden um den Körper weiter zu stimulieren belastende Stoffwechselgifte aus den Körper auszuscheiden. 

Das Cantharidenpflaster ist eine hochwirksame Reiz- und Ausleitungstherapie, da sie durchblutungsfördernd und lymphstrombeschleunigend wirkt und unter anderem bei Gelenkabnutzung, sowie rheumatische und neuralgische Zuständen sehr viel Gutes bewirken kann. 

Wichtig ist vor allem die sorgfältige Wundbehandlung nach der Abnahme des Pflasters, da es sonst leicht zu Infektionen kommen kann.

Da ich immer wieder auf Cantharidenpflaster angesprochen werde, möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass Cantharidenpflaster heute eine so genannte „Rezeptur-Zubereitung" ist. Dies dürfen nur von Apotheken auf Rezept eines Arztes oder Heilpraktikers hin hergestellt werden. Einzige Bezugsquelle bleiben daher nur die Apotheken.

Das Rezept lautet:

Spanischen Fliegen plv.
Gelbes Wachs
Erdnussöl
Terpentin
M.F. Emplastrum auf Textil

1,54 g
3,07 g
0,77 g
0,77 g
9x12cm